FlexradioTechnik

AetherSDR – Der neue KI-programmierte FlexRadio-Client

Die Welt der Software-Defined Radios (SDR) bewegt sich rasant, aber was sich aktuell rund um die FlexRadio-Plattform abspielt, hat eine völlig neue Dynamik erreicht. Wer eine Alternative zu SmartSDR sucht – sei es für Linux, macOS oder einfach, um neue technologische Pfade zu beschreiten, stolpert unweigerlich über AetherSDR.

Das Besondere: Dieses Open-Source-Projekt wurde in Rekordzeit und unter massivem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (unter anderem Claude AI) von dem Entwickler Jeremy (KK7GWY) aus dem Boden gestampft. Innerhalb weniger Wochen ist hier eine native und plattformunabhängige Workstation für die FlexRadio 6000er- und 8000er-Serie entstanden.

Die Highlights: Was AetherSDR richtig gut macht

Der größte Pluspunkt vorweg: AetherSDR ist kostenlos und extrem innovativ. Während man bei FlexRadio für größere Versionssprünge der SmartSDR-Lizenz zur Kasse gebeten wird, liefert AetherSDR einen riesigen Funktionsumfang frei Haus.

  • Echte Cross-Plattform-Identität: Endlich läuft die Flex nativ unter Linux und macOS, ganz ohne den Umweg über Wine oder eine träge virtuelle Maschine. Auch eine Windows-Version ist am Start.

  • KI-gestützte Rauschunterdrückung (BNR): Hier zeigt die Software, was moderne PCs können. Mit der neuesten GPU-Accelerated AI Noise Removal (BNR) wird der PC zur Filter-Zentrale. Wer eine moderne Grafikkarte (z. B. NVIDIA RTX) im Shach hat, kann über ein Docker-Backend Bandrauschen, QRM und prasselnde Störungen auf ein Niveau eliminieren, das herkömmliche DSP-Filter alt aussehen lässt. Voice-Signale werden sprichwörtlich aus dem Matsch gezogen.

  • Integrierte Top-Features: Von moderner TCI-Unterstützung (perfekt für die nahtlose Anbindung an Logger oder Digimodes) über ausgeklügeltes MIDI-Mapping für externe Controller bis hin zu ESC Diversity Beamforming für Transceiver mit zwei SCUs – die Entwicklungsgeschwindigkeit ist atemberaubend.

  • SmartLink Support: Auch der Remote-Betrieb über das WAN funktioniert bereits erstaunlich stabil.

Ein weiteres cleveres Detail ist das Feedback-System: Feature-Requests und Bug-Reports werden über ein halbautomatisiertes KI-Interface direkt auf GitHub eingepflegt. Das führt dazu, dass Nutzerwünsche oft innerhalb weniger Tage umgesetzt werden.

Die Kehrseite: Wenn Innovation die Übersichtlichkeit frisst

Wo viel Licht ist, gibt es im aktuellen Entwicklungsstadium auch Schatten. Das größte Problem von AetherSDR lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Feature-Overload.

  • Überfrachtete Oberfläche: Die Software will alles und das am besten sofort. Das Interface wirkt an vielen Stellen überladen. Wo SmartSDR auf eine klare, wenn auch manchmal konservative Linie setzt, wird man bei AetherSDR von einer Flut an Knöpfen, Schiebereglern und verschachtelten Menüs erschlagen. Die intuitive Bedienbarkeit leidet spürbar unter dem immensen Funktionstempo.

  • Ständige Baustelle: Die Software befindet sich aktuell in der Version 26.6.2 (Stand Juni 2026) und es erscheinen in kurzen Abständen immer wieder Updates. Es gibt fast jede Nacht Updates („Nightly Builds“). Das ist zwar spannend, bedeutet aber auch, dass Funktionen, die gestern noch liefen (wie das Umschalten von PC-Audio auf den Line-Out des Radios), heute für einen plötzlichen Crash sorgen können.

  • Komplexes Setup bei Profi-Features: Wer die bahnbrechende KI-Rauschunterdrückung nutzen will, muss sich mit Docker, NVIDIA-Tolkits und API-Containern auseinandersetzen. Das ist nichts für den klassischen „Plug-and-Play“-Funker.

David gegen Goliath: Die erstaunliche Programmgröße

Ein Punkt, der beim ersten Download sofort ins Auge springt und für ungläubiges Staunen sorgt, ist die Ressourcen- und Dateigröße. Wer das klassische SmartSDR für Windows installiert, ist fette Download-Pakete gewöhnt. Das originale SmartSDR-Setup bringt (je nach Version und integrierten .NET-Frameworks) schnell mehrere hundert Megabyte auf die Waage, belegt installiert massig Speicherplatz und zieht im Betrieb ordentlich Systemressourcen.

AetherSDR räumt hier radikal auf:

  • Winziger Fußabdruck: Das reine Debian/Ubuntu-Paket von AetherSDR ist gerade einmal rund 16 MB groß (installiert knapp über 25 MB). Auch die AppImages für Linux oder die Installer für Windows und macOS bewegen sich in einem extrem schlanken Rahmen.

  • Warum ist das so? Das Geheimnis liegt in der modernen und hocheffizienten Basis. Die Software ist von Grund auf in C++20 und Qt6 geschrieben. Es gibt keinen Overhead durch aufgeblasene, alte Programmbibliotheken, keine schwerfälligen .NET-Umgebungen und keinen emulierten Code.

Während SmartSDR sich manchmal wie ein träger Tanker anfühlt, startet AetherSDR quasi in Millisekunden. Für ältere Shacks PCs, schlanke Laptops im Portabel-Betrieb (Fieldday!) oder einen schlichten Raspberry Pi ist diese Effizienz ein absoluter Segen. Ein so mächtiges SDR-Interface in eine so winzige Programmdatei zu packen – das zeigt ziemlich eindrucksvoll, was moderner, schlanker Code bewirken kann.

Windows-Kompatibilität: Nahtloses Teamwork mit DAX 2.0 und SmartSDR-CAT

Für viele Funkamateure, die unter Windows arbeiten, stellt sich sofort die Frage: Was passiert mit meinen mühsam eingerichteten Digimode-Tools wie WSJT-X, JTDX oder dem Logbuch, wenn ich AetherSDR ausprobiere? Muss hier alles neu konfiguriert werden?

Die Entwarnung folgt auf dem Fuß, denn die Windows-Version von AetherSDR ist kein isolierter Einzelgänger. Sie integriert sich hervorragend in das bestehende Ökosystem von FlexRadio:

  • Volle Unterstützung für DAX 2.0: AetherSDR dockt unter Windows direkt an die virtuellen Audiokanäle des bekannten Digital Audio Exchange (DAX 2.0) an. Das bedeutet: Der digitale Audio-Stream (RX und TX) wird sauber an das System übergeben. Du kannst in deinen Digimode-Programmen wie gewohnt die bekannten DAX-Audiogeräte auswählen, ohne virtuelle Audiokabel von Drittanbietern bemühen zu müssen.

  • Hand-in-Hand mit SmartSDR-CAT: Auch die Frequenz- und PTT-Steuerung bleibt gewohnt komfortabel. AetherSDR spricht nativ das Protokoll des SmartSDR-CAT-Managers. Externe Logger oder Contest-Programme steuern den im Hintergrund laufenden Slice über die bereits eingerichteten virtuellen COM-Ports an, als würde das originale SmartSDR laufen.

Der große Vorteil dieser Lösung: Man muss das Rad unter Windows nicht neu erfinden. Wer bereits eine funktionierende FT8- oder High-Speed-Telegrafie-Konfiguration mit SmartSDR im Shack hat, kann AetherSDR parallel starten und sofort loslegen. Die Software übernimmt den Slice-Betrieb und nutzt die stabilen Treiber von DAX und CAT einfach mit. Das macht den Umstieg oder den experimentellen Parallelbetrieb extrem frustfrei.

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Fazit: Lohnt sich der Wechsel?

AetherSDR ist ein faszinierender Blick in die Zukunft des Amateurfunks. Es zeigt eindrucksvoll, wie die Symbiose aus menschlichen Entwicklern und KI-Unterstützung die Softwarelandschaft umkrempeln kann.

Mein Tipp: Wer ein stabiles, stressfreies System für den täglichen Contest oder das schnelle QSO sucht, bleibt erst einmal bei der gewohnten SmartSDR-Umgebung. Wer jedoch experimentierfreudig ist, Linux nutzt, neue Filtertechnologien ausreizen möchte und über die (noch) mangelnde Übersichtlichkeit hinwegsehen kann, sollte dem Projekt definitiv eine Chance geben. Da AetherSDR die bestehenden Profile und Einstellungen klaglos importiert, ist der Testlauf völlig risikolos.

Ein Kommentar zu „AetherSDR – Der neue KI-programmierte FlexRadio-Client

  • Philippe A. Maier

    Hallo Ronny
    Ich benutze exclusiv AetherSDR mit meinem neuen Flex8600 seit über einen Monat. Ich war jahrelang
    mit einem modifizierten ANAN 200D tätig (leider sind die ersten Pannen nach 12 Jahre aufgetreten)
    mit Thetis.
    Mich reuen nur noch die 199 $ die ich FlexRadio bezahlt habe für die feature updates, die in AetherSDR
    schon enthalten sind.
    Der Theme Editor in Aether ist schwer zu bedienen und dürfte etwas freundlicher werden. An sonsten
    habe ich nicht viel zu meckern.

    Best 73 aus Martinique

    Phil FM5GB

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